Einstein und Kirschkerne – Gedanken übers MenschSein
Da sitze ich wieder, im Café, heute ohne Baumkuchen, es wird langsam Sommer. Kirschen, Nektarinen, Melonen werden an mir vorbeigetragen.
Ich habe mir vorgenommen, endlich wieder regelmäßig zu schreiben, ohne Schreibgruppe, ohne sexy Muse. Meine vielen Ideen, die mir jeden Tag durch den Kopf gehen, endlich mal in Form zu bringen, zugänglich zu machen.
Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.
Albert Einstein
Dieses Zitat von Albert Einstein hat mich schon vor sehr langer Zeit angesprochen. Ist es doch typisch menschlich, sich immer weiter in einer Sache zu verrennen, Lösungen nur innerhalb des bekannten Denkrahmens zu suchen. Und wie sollte man den auch so einfach überschreiten können?
Ich möchte es versuchen, möchte die Strukturen, die unser Denken und Handeln schon seit Jahr(hundert)en, oft unbemerkt, beeinflussen, unterlaufen. Überwinden klingt mir zu kriegerisch. Ich sehe (mein) Leben ist als eine Art spannendes, herausforderndes Adventure Game, nicht als Kampf.
Weil Worte Wirkung haben
Und so ringe ich seit über einem Jahr mit den Worten für das, was ich mache. Worte die meist schon belegt sind mit Bedeutung – Bedeutung, die Logik dieses Systems wiedergibt. Hierarchisch, bewertend, kategorisierend in Gut und Böse.
Mein Denken ist groß und offen – oft wurde mir das als Schwäche ausgelegt (von mir selbst halt auch). Dabei war schon als Kind mein Lieblingsspruch „Nur ein Kleingeist braucht Ordnung, ein Genie überblickt das Chaos“. Damals passt er so gut zum Zustand meines Kinderzimmers, aber er passt nachwievor, zum Zustand der Welt.
Ob Kleingeist oder Genie, wir wollen den Überblick bewahren, sind wir doch ausgestattet mit einem Verstand, der eben gerne kategorisiert – eine überaus nützliche Überlebensfunktion, wenn es in einer Gefahrensituation schnell gehen muss. Und wähnen wir uns durch den Dauerstress nicht ständig in einer (zumindest nervlichen) Gefahrensituation?
Momente der Ruhe
Je turbulenter es wird, desto mehr sehnen wir uns nach Sicherheit, nach Überschaubarkeit. Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, bräuchten wir eigentlich mal einen Moment der Ruhe. Und noch einen. Und noch einen. Um wirklich reinspüren zu können, was in uns drinnen eigentlich los ist.
Das ist das, was ich seit fast zwei Jahren mache. Hauptberuflich quasi, wenn auch bisher unbezahlt. Ich nehme Verbindung mit dem auf, was in mir drin bis dahin ein Eigenleben zu führen schien.
Prägungen, unterdrückte Ängste, einschränkende Überzeugungen. Die Ironie daran: Allesamt sind/ waren sie nur auf mein Bestes bedacht. Nicht auffallen, nicht anecken, nicht in Gefahr kommen.
Verstrickt in alte Muster
Das ist unser Strickmuster. Nur dass die Gefahren sich im Laufe der Menschheitsgeschichte wandeln und alte Muster oft gar nicht mehr greifen. Oder auch wieder: sehr gut ineinandergreifen und dadurch ein System immer weitertreiben, das uns schon lange nicht mehr dient.
Mein Verständnis vom MenschSein hat sich seitdem erweitert, meine Liebe zur Menschheit ist gewachsen. Ich habe die Kapazität, mich nicht nur meinem eigenen Schmerz, sondern auch dem von anderen zu stellen. Und diese neuentdeckte Möglichkeit zur Verbundenheit möchte ich in die Welt tragen.
Und schwupps, kaum fange ich an zu schreiben, scheine ich entweder in der Psychoecke festzustecken, in der Spiribubble, auf der Selbstoptimierungsschiene oder in politischer Agitation. Dabei folgen alle diese Richtungen dem ‚alten‘ Denken. Es gibt Hierarchien, Machtgefälle, Pathologisierung, Schwarz-Weiß-Vereinfachung, rein formale Anforderungen an Wissen, die mit Weisheit wenig zu tun haben.
Mal woanders suchen
Eigentlich werden durch all diese ‚Branchen‘ die alten Strukturen immer nur ausgebessert, aber nicht grundsätzlich in Frage gestellt. Selbst spirituelle Ansätze erschöpfen sich oft in einer Art ‚Weltflucht‘, bleiben in der ‚Hilfe kann nur von Außen/Oben kommen‘- Logik:
„Befolge fremde Regeln und Rituale, um Göttern oder Gurus zu gefallen oder es irgendjemandem Recht zu machen und alles wird gut.“ Denn das verhieß über Jahrhunderte Sicherheit. Ich suche Sicherheit in mir. In Verbundenheit mit dem großen Ganzen. Ohne Götter und Gurus.
Ok, für heute reicht es dann auch. Habe eine Kirsche zum Probieren gekriegt, den Cappuccino getrunken – und bin echt gespannt, ob ich das jetzt einfach so auf meinen Blog stelle…