Dieser Text ist vom 7. Juli 2025. Manche Begriffe würde ich heute so nicht mehr verwenden. Alles in allem finde ich den Text aber immer noch aussagekräftig, deshalb packe ich ihn jetzt auf den Blog.
The world is held together by the love and the passion of very few people.
James Baldwin
Meine Wahrheit ist kein Dogma
Erstmal: Meine Wahrheit ist nicht deine Wahrheit. Ich denke auch nicht, dass es für unser Sein die eine Wahrheit gibt, wie sie vielleicht vor Gericht oder in der Kirche gefragt ist. Es gibt deine Wahrheit, die deiner Essenz entspricht: Wer bist du und was ist deine Gabe, die du einbringen kannst ins große Ganze?
Du merkst vielleicht schon, dass ich versuche, typisch ‚spirituell’ geprägte Begriffe zu meiden (auch wenn es mir nicht immer gelingt). „Das große Ganze“, davon spreche ich gerne, wenn andere vielleicht „das Universum“ oder „Gott“ sagen.
Meine Wahrheit ist, dass wir alle eins sind, alle miteinander verbunden, dass es nichts ‚Göttliches‘ außerhalb gibt, das irgendwie angebetet oder versöhnt werden müsste. ‚Consciousness‘ nannte es zum Beispiel Schrödinger (Ja, der mit der Katze. Oder mit der toten Katze?). Dabei verfechte ich keine Ideologie oder eine bestimmte Lehre, das ist eben das, was mir ‚meine Wahrheit‘ sagt.
Es ist für mich eher eine Theorie, die sich gerade sehr stimmig anfühlt. Und die mir vor allem hilft, in der Liebe zu wachsen. Denn ich denke, im Kern sind wir alle Liebe und unsere (Lebens-)Aufgabe ist es, diese Liebe freizulegen und zu entfalten.
Die Quelle ist in mir
Für mich ist klar, dass um diese Wahrheitsquelle, diese Liebe herum, lauter Schichten aus alten Verletzungen, Narben, Schutzstrategien, Prägungen und kollektiven Glaubenssätzen liegen, die diesen Zugriff erstmal verhindern – oder zumindest ganz schön erschweren.
Für mich kam der ‚Durchbruch‘, als ich mir die Zeit nehmen konnte, Schicht für Schicht genau anzuschauen, anzuerkennen und zu integrieren.
Meine Wahrheit ist auch, dass wir in einem System leben, das uns diese Aufgabe sehr schwer macht. Und besonders absurd finde ich, dass es niemanden gibt, den man dafür verantwortlich machen könnte. Die Reichen, die Bösen, den Teufel oder so.
Ich empfinde es so, dass wir alle, egal, wo wir gerade stehen und in wiefern wir von diesem System profitieren, (noch) nicht das Leben führen, das wir eigentlich führen sollten. Insofern ist es eine kollektive Aufgabe, die uns da bevorsteht.
Dabei glaube ich noch nicht mal, dass hier was falsch läuft. Sondern dass wir gerade Erfahrungen auf allen Ebenen sammeln und uns immer wieder entscheiden können (müssen?), für unsere Menschlichkeit, unser wahres Selbst, einzutreten.
Puh, das war jetzt MEIN spiritueller Überbau, der für mich schon direkt auch mit dem Erkennen und Leben meiner Wahrheit verbunden ist. Ich denke aber, dass es auch ohne (oder mit anderem Überbau) geht.
Angst oder innere Wahrheit?
Meine Wahrheit zu leben heißt für mich, das auszusprechen und mein Leben danach auszurichten, was für mich wahr und wertvoll ist.
Dazu ist wichtig, dass ich genau geprüft habe, ob eine Überzeugung wirklich MEINE Überzeugung ist, also meinem Wesen entspricht, oder ob es eigentlich ein Glaubenssatz ist, den ich irgendwann entwickelt (oder womöglich sogar übernommen) habe.
Ob dieser ‚Wert‘ wirklich aus diesem Kern der Liebe gespeist wird, oder einer unbewussten Angst entspringt.
Das ist das eigentlich Spannende für mich: genau hineinzuspüren, wenn mich etwas irritiert, ärgert oder herausfordert.
Offen und beweglich
Meine Wahrheit ist zum Beispiel, dass für mich unsere westliche Kultur nicht mehr das Maß aller Dinge ist. Dass ich mich Möglichkeiten geöffnet habe, die von den meisten Menschen in meiner engeren Umgebung abgelehnt, verhöhnt oder verurteilt werden, wie z.B. die Astrologie (und Systeme, die darauf basieren, wie z.B. Human Design oder Gene Keys).
Ich halte meine Intuition und meine ‚innere Weisheit‘ für glaubwürdiger, als Fremdeinschätzungen, die für mich auf eine große Angst vor Macht- und Kontrollverlust hinweisen.
Meine Wahrheit ist auch, dass ich zwar finde, dass die Strukturen, die unser Leben bestimmen, hinterfragt und Systeme abgeschafft gehören. Viva la revolution. Nieder mit Faschismus, Rassismus, Patriarchat, Kolonialem Denken, White Supremacy, fuck capitalism!
Verwurzelt in unserer Menschlichkeit
Aber ich glaube, dass wir – durch eben diese innere Arbeit – gut darauf vorbereiten sollten, wenn es nicht darum gehen soll, nur die Machtverhältnisse auszutauschen und ansonsten alles beim Alten zu lassen. (Deshalb nenne ich meinen Ansatz rooted (r)evolution),
Für mich geht es um die Integration individueller, transgenerationaler und kollektiver Traumata (jetzt würde ich eher sagen: Prägungen), die uns alle in einem dualen Denken gefangen halten. Denn für mich gibt es nicht ‚die Bösen‘, die es ‚zu bekämpfen‘ gilt. Für mich gibt es nur jede*n Einzelne*n, die/der bei sich anfangen darf.
Das ist natürlich immer dann schwierig, wenn akuter Handlungsbedarf besteht, wie in aktuellen Krisensituationen. Da greift dann wieder mein spirituelles Verständnis, dass es nicht nur um dieses eine Leben jetzt und hier geht. Und dass alles etwas Spielerischer gesehen werden darf.
Was bedeutet es also, meine Wahrheit zu leben?
Kurz gesagt: Das auszusprechen und danach zu leben, was meiner Essenz der Liebe entspricht. Also, alles, wofür ich stehe. Was befreit wurde von Glaubenssätzen und Prägungen, was als Schutzstrategie enttarnt und rehabilitiert wurde. Was also mein Sein ausmacht.
Meine Wahrheit kann etwas ganz anderes sein als deine Wahrheit, eine andere Ausdrucksform der Liebe, eine andere Gabe.
Vielleicht drückt sich deine wahre Essenz darin aus, wie du deine Kinder begleitest, in der Gartenarbeit, vielleicht singst du, oder kochst gerne. Oder du begeisterst dich für Naturwissenschaft, vielleicht kannst du komplexe Zusammenhänge einfach erklären. Was auch immer dich und deine Mitmenschen glücklich macht und in der Liebe wachsen lässt, ist deine Wahrheit und verdient, gesehen und gelebt zu werden.
Meine Wahrheit ist, dass ich andere gut ‚sein‘ lassen kann, dass ich den Schmerz nicht scheue, dass ich präsent sein kann. Außerdem bin ich ungeheuer optimistisch und habe einen Blick für das große Ganze, eine Vorliebe für große Visionen und offensichtlich eine tiefe spirituelle Veranlagung.
Manches davon hat sich schon früh gezeigt, anderes musste ich mühsam freischaufeln unter Verurteilungen und Ängsten (und ich bin noch dabei). Meine Wahrheit zu leben bedeutet auf jeden Fall Bereitschaft zu Veränderung.
Mittlerweile würde ich übrigens vielleicht eher von Wahrhaftigkeit sprechen als von Wahrheit.